Mölsen haut auf die Pauke
Die "Mitteldeutsche Zeitung" schrieb am 10. September 2007:

Mölsen haut auf die Pauke
300 Spielleute musizieren beim Herbstmarkt - Nachwuchssorgen beim Gastgeber

Drei Tage lang feierte Hohenmölsen seinen Herbstmarkt. Pauken, Fanfaren und Schalmeien erfüllten am Sonnabendnachmittag die Stadt. Der Fanfarenzug lud zum zweiten Mal zum "Festival der Spielleute" ein und 300 Musikanten aus Pretzsch, Wolfen, Roßlau, Taucha, Goseck, Laatzen und Hohenmölsen spielen auf.

"Mamor, Stein und Eisen bricht" schmettert das Schalmeienorchester Taucha unweit des Hohenmölsener Marktes und die Zuschauer singen, klatschen, schunkeln. Der Fanfarenzug Hohenmölsen lädt zum Festival der Spielleute ein. Olaf Müller schaut in die Runde. "Ein paar mehr Zaungäste hätten es schon sein können", sagt der Schatzmeister der Gastgeber.
Seine Frau gehört zu den Gründungsmitgliedern. "Erst ging ich immer als Zuschauer mit. Doch irgendwann packt dich das Fieber und du willst selber spielen", erzählt der Hohenmölsener. So trat er 1993 in den Verein ein. "Mit ein bisschen musikalischem Gespür und vor allem reichlich Ehrgeiz konnte ich in vier Wochen meinen ersten Marsch auf der Fanfare blasen", blickt er heute zurück. Etwa 60 Mitglieder zählt der Verein heute. Von den 24 Aktiven spielen am Sonnabend 19 auf. "Uns plagen Nachwuchssorgen", gesteht Müller. So greifen die Mölsener auch nicht mehr bei den Landesmeisterschaften an. Dabei waren sie viermal Meister und zweimal Vize.


Zum Festival der Spielleute trafen sich etwa 300 Musikanten. Sie spielten im Rahmen des Herbstmarktes am Sonnabendnachmittag im Zentrum von Hohenmölsen auf.
Die Schalmeienkapelle aus Pretzsch nahm bereits zum zweiten Mal am Festival teil. Dem miesen Wetter trotzten zahlreiche Gäste mit Schirm und Regenjacke. Doch die Veranstalter hatten auf mehr Besucher gehofft.

Diese Sorgen kennen die Freunde aus Laatzen nicht. "Wir haben 35 Aktive", sagt Jan Petersen stolz und zählt eine Reihe von Erfolgen auf. 1998 sei man beim Musikantentreffen in San Remo Zweiter geworden. Die Freunde aus Niedersachsen machen schon rein optisch etwas her. In blauen Uniformen und wagemutigen Hüten erinnern sie an die Musketiere. Ihre Musik ist lauter, schneller, härter als die der Einheimischen.
Jan Petersen spielt zum Beispiel eine Snare-Trommel, die durch ihren "doppelten Boden" heller klingt. "Mein Vater ist Vereinsvorsitzender, so wurde ich quasi in die Musik hinein geboren und bin auch schon 20 Jahre dabei", plaudert der junge Mann. In Hohenmölsen sind die Niedersachsen zum vierten Mal dabei, haben die Feuerwehr mit Luftmatratzen ausgelegt und übernachten hier. "Es sind einfach ganz nette Menschen hier. Am besten hat uns im letzten Jahr der große Festumzug zum Stadtfest gefallen", fährt Petersen fort. Dass ein Fanfarenzug dem anderen nicht gleicht, das konnte man bei dem Naturfanfarenzug aus Wolfen erleben.
"Wir spielen auf Naturfanfaren, das heißt unsere Instrumente haben keine Ventile. Wir formen jeden Ton allein mit den Lippen", erklärt die Vorsitzende Angelika Huth. Die Hohenmölsener habe man bei einem Sachsen-Anhalt-Tag kennen gelernt, dort seien die Wolfener Stammgäste. "Musizieren in großer Meute macht uns Spaß. Am schönsten waren in dieser Hinsicht die Weltfest- spiele 1973 in Berlin. Damals spielten wir mit 600 Aktiven", erinnert sich Frau Huth.

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