Spielleute tönen meisterhaft
Die "Mitteldeutsche Zeitung" schrieb am Mittwoch, den 11. September 2002:

Spielleute tönen meisterhaft
Landessieger mit viel Disziplin - Nachwuchs willkommen - Instrument wird gestellt
von SANDRA LITTMANN

Hohenmölsen/MZ. "Landesmeister 2002" - in weißen Lettern steht der Schriftzug seit einigen Tagen auf dunkelblauen T-Shirts von ungefähr 35 Hohenmölsenern. Wer die Mannschaft, die diesen Titel holte, sehen oder besser gesagt hören will, muss am Montagabend nur mal das Bürgerhaus der Stadt tangieren. Dort nämlich sind die Töne von den blitzenden Fanfaren und donnernden Trommeln bis auf den Vorplatz zu hören. Und wenn einer der Musiker aus der Reihe tanzt, dann bricht der ganze Chor der Instrumente ab, um Michael Grodtkes Kommandos zu hören: "Noch mal von vorn, bitte."


"Kampfrichter schauen genau hin, auf die Notenblätter und die gesamte Haltung des Zuges"
Michael Grodtke
Musikalischer Leiter

Grodtke ist seit 15 Jahren beim Fanfarenzug der Stadt Hohenmölsen aktiv und inzwischen musikalischer Leiter der Truppe. "Stopp. Die Fanfaren sind zu schnell hoch gegangen. Die Trommeln bitte ein bisschen genauer." Der 25-jährige ist pedantisch, hört jede kleine Schieflage und findet dennoch den


Jeden Montag proben die Mitglieder des Fanfarenzuges im Hohenmölsener Bürgerhaus. Dann sind Fanfaren und Trommeln schon vom weitem zu hören.

richtigen Ton, der bei den Musikern zwischen neun und über 40 Jahren motivierend ankommt. "Die Kampfrichter schauen genau hin, auf die Notenblätter und die gesamte Haltung des Zuges. Da muss einfach alles stimmen", erklärte er und weiß, dass das Ergebnis in Hasselfelde bei der Landesmeisterschaft eine Glanzleistung gewesen ist.
Im Rhythmus lägen die absoluten Stärken des Fanfarenzuges, und auch beim so genannten notengerechten Spiel habe man sich gesteigert. Doch einen Großteil der Vorbereitung mussten die Hohenmölsener für die dritte Kategorie der Punktwertung nutzen. "Da geht es um Synchronismus, um den richtigen Winkel, in dem die Instrumente zu halten sind und auch darum, vernünftig zu marschieren", erklärte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Olaf Müller, der sich für diesen Punkt Verstärkung aus der ortsansässigen Bundeswehr holte. "Wir haben auf dem Sportplatz tagelang geprobt." Als Oberfeldwebel außer Dienst habe er seine Kontakte nutzen können.
Müller hat erst mit 28 Jahren aktiv angefangen, eine Fanfare zu spielen. "Ich fand es echt schwer, denn man muss erst den Dreh heraus bekommen, wie man die Töne mit den Lippen formen kann", erinnert er sich. Doch bereut habe er es nie, denn der Fanfarenzug sei wie eine Familie. "Wir haben hier nie wirklich Zoff und versuchen vor allem den Jugendlichen einen Sinn zu vermitteln." 32 Spielleute sind bei dem sonst an die 60 Mitglieder starken Verein, der 1984 gegründet wurde, aktiv. Aber Raum für neue Leute gebe es noch genug. "Wir würden uns riesig über Nachwuchs freuen", so Müller, dem es darauf ankommt, das Gemeinschaftsgefühl und die Liebe zur Musik zu vermitteln. Man müsse nichts mitbringen. "Nicht mal ein Instrument", unterstreicht er.

Der Fanfarenzug hat Aufstellung genommen im Bürgerhaus. Der Stabführer gibt ohne Worte Kommandos, die ankommen. Dann wirbeln die Trommelstöcke stumm und laut, die Fanfaren gehen zackig nach oben, und die wenigen verschiedenen Töne, die man Instrumenten entlocken kann, verfestigen sich in Reih und Glied zu einem klaren musikalischen Signal. Wer sich von der Professionalität der Spielleute, die jetzt meisterlich tönen, überzeugen will, kann den Zug während der Festivitäten zum Tag der Einheit am 3. Oktober in Hohenmölsen erleben.

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