Sohn trommelt auf den Tisch
Die "Mitteldeutsche Zeitung" schrieb am 17. September 2003:


Lutz Lisker leitet Fanfarenzug - Ziel: 2004 zum
dritten Mal in Folge Landesmeister

Dass Lutz Lisker im Fanfarenzug Hohenmölsen mal ein Instrument spielen würde, war anfangs gar nicht so geplant. Zunächst fuhr der 38-Jährige mit dem Fanfarenzug zu den einzelnen Auftritten mit. Aber dort nahm er "lediglich" die Videokamera in die Hand, um den Klangkörper filmisch in Szene zu setzen. Aber da immer mehr junge Leute dem Verein den Rücken kehrten, gab es letzten Endes gar keine Alternative.

Seit Lutz Lisker die Fäden des Fanfarenzuges in der Hand hält, geht es mit dem bergauf. "Heute sind wir wieder 40 Mitglieder und haben 20 passive Freunde", merkt er an. Eines der größten Probleme sind die jüngsten Leute, die nach der Lehre oftmals weggehen.
Seine Frau spielt die Hochtrommel, er die Fanfare. "Unser Sohn ist zwar erst ein halbes Jahr, aber er trommelt schon jetzt mit den Fäusten auf den Tisch herum", erzählte Lisker lachend.
Dass der Hohenmölsener mal beim Fanfarenzug landen würde, daran dachte er in seiner Jugendzeit nicht. Nach der 10. Klasse stand zunächst die Elektromonteurlehre an. "Ich habe schon immer gern mit Modellbaukästen gebastelt. Da bot sich das für nicht an, diesen Beruf zu erlernen, der mir viel Spaß macht", berichtete er. Im Tagebau Profen verdiente er damit seine Brötchen. Jedenfalls bis zur Wende. Dann wechselte er zur Gebäudewirtschaft. Deren Handwerker seien aber später als eigenständige Firma herausgelöst worden, und das war nicht so der Glücksfall für den gelernten Elektriker. Denn diese Firma machte pleite. Pech hatte Lisker zudem, als er sich Mitte der 90-er Jahre im Urlaub eine Samonelleninfektion zuzog. Glaubte er zunächst, nach drei Tagen über den Berg zu sein, so irrte er sich. Irgendwann wurde sein Knie dick und dicker.
Die Ärzte konnten sich das nicht erklären. Aus dem Krankenhaus ließ er sich auf eigenen Wunsch entlassen. Und das war sein Glück. In Halle schenkte ihm dann ein Professor reinen Wein an: "Wären Sie eine Woche später gekommen, hätten wir Ihnen das Bein abnehmen müssen', sagte er zu mir", so der Hobbymusiker. Doch Lisker wurde geheilt.
Heute arbeitet er als Reha-Trainer in einem ambulanten Rehabilitations-Zentrum in Weißenfels.Bei einem Fernstudium in Leipzig eignete er sich das notwendige Wissen an.
Seit der Hohenmölsener die Fäden in der Hand hält, wenn es um den Fanfarenzug geht, macht der enorme Fortschritte. "Heute sind wir wieder 40 Mitglieder und haben 20 passive Freunde", merkte er freudig an.
Eines seiner größten Probleme sind die jungen Leute, die nach der Lehre oftmals weggehen. "Das ist verständlich", ergänzte er.
Wurden die Hohenmölsener 1993 letztmalig Landesmeister von Sachsen-Anhalt, so errangen sie den Titel erst wieder 2002. Und das schafften sie auch im vergangenen Jahr. "2004 wollen wir auf alle Fälle den Hattrick schaffen", schaute Lisker schon einmal voraus.

Zur Klarstellung:
Lutz Liskers Sohn heißt Johanna und ist im wirklichen Leben ein Mädchen.

ZURÜCK ZUR PRESSE-ÜBERSICHT
nach oben